Soyfer an der Ege Universitaet - Ein Theaterprojekt

Bildiriler > Yayınlanmadı · 2023

Yazarlar: Dilek ALTINKAYA

International Theatre Meeting - Ruse Talks (State Drama Theatre), Bulgaristan, Rusçuk, Uluslararası, Davetli Konuşmacı, Yayınlanmadı, 2023-2023, ss 1-1

Özet

<p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p><p>Ich möchte mich ganz herzlich bei dem gesamten Organisationsteam und insbesondere auch bei dem Mitveranstalter, dem sehr gerehrten wissenschaftlichen Direktor Dr. Herbert Arlt von der Jura Soyfer Gesellschaft für die freundliche Einladung zu dieser höchst interessanten und so vielfältigen Veranstaltung in dieser für mich so besonderen Stadt Ruse bedanken.</p><p>Warum diese/ihre Stadt für mich so besonders ist, kann natürlich besonders gut aus der Erinnerungs- und Darstellungsarbeit aus Elias Canettis autobiographischen Werk&nbsp;<em>“Die Gerettete Zunge”erklärt werden</em>, dass auch für meine Forschungen stets sehr inspierierend und von grossem Interesse war. Besonders <em>für mich als in Deutschland geborene, aber zurück in meine Heimatland emmigrierte, aber stets auf Deutsch weiterdenkende Türkin der 2. Gastarbeitergeneration bedeutete dies eine grosse Identifakationsquelle. </em></p><p>Denn schliesslich hat sich Elias Canetti, der bereits vor der Unabhängigkeit Bulgariens vom Osmanischen Reich, als türkischer Staatsbürger und Kind sephardisch-spanolischer Juden seine Kindheit von 1905-1911 in diesem balkanisch-bunten und folglich polyglotten Völkergemisch von Rustschuk verbrachte sogar mehr&nbsp;<em>“als sechzig Jahre&nbsp;</em>[…von diesen Eindrücken]<em>&nbsp;genährt", wie er es in der Gerettete Zunge</em> <a href="https://www.inst.at/trans/7Nr/konstantinov7.htm#5" rel="noopener noreferrer" target="_blank">(S. 19)</a>&nbsp;ausdrückt:&nbsp;</p><p><em>“Rustschuk, an der unteren Donau, wo ich zur Welt kam, war eine wunderbare Stadt für ein Kind&nbsp;</em>[...]<em>&nbsp;Alles was ich später erlebt habe, war in Rustschuk schon einmal geschehen”</em>&nbsp;(S. 11) […] <em>Sie sind das eigentliche, das verborgene Leben meines Geistes"&nbsp;</em>(S.&nbsp;127)</p><p>Und gerade an diesem so bedeutendem Ort von Rustschuk wurde Canetti auf die noch so kleinsten Zeichen des multikulturellen Nebeneinanders der vielen Nationen aufmerksam. Und unumwunden wurde durch diese einklängliche Konstellation der multikulturelle Archetyp Rustschuks, zum Symbol der friedlichen Konfrontation vieler Völker, Kulturen und Konfessionen, und erhob sich fast zu einem unsterblichen Mythos einer Harmonie der Völker, die Canetti in seinem Geburtsort ideal vereint fand. Und gerade diese Konstellation einer verkörperten <em>transkulturellen</em>&nbsp;Harmonie<em> kann heute für uns alle als Vorbild für die </em>Beherrschung, Achtung und Toleranz der verschiedenen Kulturen, ja beinahe zur Verkörperung des Weltfriedens in Erscheinung treten.</p><p>Genau deshalb ist es für mich heute eine besondere Ehre hier in Ruse, der Wiege der <em>interkulturellen Veranlagung Canettis</em> zu sein, und über zeitlose universale Autoren wie Elias Canetti, Jura Soyfer, ihre unsterblichen grossen Werke und deren internationalen Inszenierungen und über weiterführenden Projekte sprechen zu dürfen, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen.</p><p>In Vergessenheit geraten darf auch eine besondere Wissenschaftlerin nicht, nämlich Prof.in Dr.in Gertrude Durusoy, die “Pionierin auf der Verbreitung von Jura Soyfer”, aber auch von Elias Canetti in der Türkei war. Sie leistete hier wichtige Öffetnlichkeitsarbeit mit der Übersetzung von Soyfers “Vineta” (2002) als Hörspiel und im akademischen Bereich durch die Veranstaltung eines Soyfer-Symposions in Izmir vom 2. bis 5.12.1999. Ergo begannen mit ihr die ersten Projekte zwischen der Türkei und Jura Soyfer, der durch die Jura Soyfer Gesellschaft vertreten wurde, die hier an dieser Stelle nicht unbedacht bleiben dürfen.</p><p>Ich freue mich Ihnen in diesem Sinne heute in Anlehnung und Gedenken an meine verstorbene Doktormutter Prof.inDr.in Gertrude Durusoy im Rahmen der Zusammenarbeit mit der&nbsp;<em>Jura Soyfer Gesellschaft</em>&nbsp;unter der Veranstaltung “RUSE TALKS”, der Rusener Soyfer Gespräche” das Theaterprojekt “Soyfer an der Ege Universität” vorstellen zu dürfen. Frau Prof.in Durusoy ebnete uns den Weg, um in der türkischen Literaturszene Anschluss an eine so aussergewöhnlichen Weltliteratur wie der Jura Soyfers zu finden,&nbsp;der mit seiner einzigartig universell gültigen Aussagekraft in den Übersetzungsunterricht der Abteilung für Übersetzen und Dolmetschen, an der Ege Universität implentiert wurde.</p><p>Das wesentliche Ziel dieses Theater-Übersetzungsprojekt an der Ege Universität, dass mit “Astoria” begann, der Übersetzung der Jura Suyfer web-site ins Türkische weiterläuft und der Übersetzung weiterer Werke fortgesetzt werden soll, wird es infolgedessen sein, auf diese Weise einen weiteren Schritt zu gehen, um Jura Soyfer ein Stück tiefer in die Weltliteratur zu rücken. Denn schliesslich verbindet sich mit dem Begriff der Weltliteratur mehr als bloß der Bezug auf die jeweilige Herkunft des Autors oder den Bezugsraum des Textes. Es geht, wie es Sandra Richter ausdrückt:&nbsp;</p><h1>“[…] um ethische und literarische Hoffnungen, um Werte, also Normatives: Solche Literatur, so einige Wissenschaftler und Kritiker, verbindet die Menschen und Völker durch ihre besondere ästhetische Qualität, sorgt für Toleranz und Verständigung in einer auseinanderdriftenden Welt der Konkurrenz – wobei das Verhältnis zwischen Ästhetik und Ethik ein schwieriges ist. So verstandene Weltliteratur muss nicht unbedingt gut verkäuflich, wohl aber mehr oder minder weltweit sichtbar sein.” (Richter, S. 9)</h1><p>Wenn sie gestatten, werde ich nun ganz in diesem Sinne versuchen, Ihnen das an der Ege Universität in Izmir in der Türkei im Fachbereich für Übersetzen und Dolmetschen (Deutsch-Türkisch), wo ich als Dozentin tätig bin, durchgeführte Jura Soyfer-Theater-Übersetzungs-Projekt vorzustellen.</p><p>Jura Soyfer wurde an der Ege Universität im Fachbereich für Übersetzen und Dolmetschen erstmals im Sommersemester 2019 in der Lehrveranstaltung des Wahlpflichtmoduls “Literarisches Übersetzen II“ und im darauffolgenden Lehrjahr im Winter- und Sommersemester 2019/2020 in den Wahlpflichtmodulen “Theaterübersetzung I“ und “Theaterübersetzung II“ als Übersetzungsprojekt von Bildern bzw. Ausschnitten aus seinem Theaterstück “Astoria” in den genannten Seminarveranstaltungen eingesetzt.</p><p>Das Seminar-Projekt entstand in Kooperation zwischen der&nbsp;<em>Jura Soyfer Gesellschaft</em>&nbsp;und dem Fachbereich für Übersetzen und Dolmetschen an der Ege Universität mit den vorhergehend gesetzten Schwerpunkten “Besonderheiten der österreichischen Sprache” und “Schwierigkeiten bei der Übersetzung von Theaterstücken” und soll aufzeigen, welche Herausforderung und Komplexität es für die StudentInnen darstellte, aber auch welche Bereicherung die Bearbeitung des Stücks für die Beteiligten bedeutete.</p>

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