Fragetypen und Frage-Morpheme in medizinischen Texten: Eine textgrammatische Analyse
Articles > Article · 2025
Authors: Sibel Kardan, Handan Köksal
Diyalog Interkulturelle Zeitschrift Für Germanistik, International, 2025, vol 13, pp 730-754
Summary
Die Arzt-Patienten-Kommunikation bildet ein essentielles Fundament für eine hochwertige medizinische Betreuung, da sie nicht nur individuelle Behandlungsstrategien und einen optimalen Therapieverlauf unterstützt, sondern auch den Informationsaustausch fördert und somit maßgeblich zur Patientensicherheit und zum Behandlungserfolg beiträgt. Besonders im Bereich des berufsbezogenen „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) Unterrichts gewinnt die Untersuchung von Fragetypen in medizinischen Dialogen, insbesondere in Arzt-Patienten- und Arzt-Arzt-Gesprächen, zunehmend an Bedeutung. In der vorliegenden Studie wurden exemplarisch Anamnesegespräche sowie Dialoge zwischen Fachkräften als medizinische Textsorten auf GER-Niveau B2–C1 anhand der von Weinrich eingesetzten Ansätze analysiert. Verschiedene Fragetypen beeinflussen die Kohärenz und Kohäsion der Texte und fördern eine präzise und effektive kommunikative Kompetenz sowie Textkompetenz. Ziel dieser Studie ist es, die Rolle von Fragetypen und Frage-Morphemen in medizinischen Textsorten im DaF-Lehrwerk „Menschen im Beruf – Medizin B2-C1“ des Hueber Verlags aus textgrammatischer Sicht zu untersuchen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Fragen in mündlichen Gesprächen zwischen Ärzten und Patienten ein wichtiges Mittel sind, um Informationen zu sammeln, Unsicherheiten zu klären und eine optimale Versorgung zu gewährleisten. In schriftlichen Dokumenten wie Epikrisen oder Arztbriefen sind direkte Fragen hingegen weniger üblich, da der Fokus auf einer präzisen und objektiven Darstellung des Krankheitsverlaufs liegt. Fragen sind in diesen Kontexten implizit enthalten und fließen in die Beurteilung und Interpretation der medizinischen Situation ein.